Der Izakaya-Guide: Wie Sie bestellen, trinken und bezahlen wie ein Local

Der Izakaya-Guide: Wie Sie bestellen, trinken und bezahlen wie ein Local

Key Takeaways:

  • Die Izakaya ist das Herz der japanischen Esskultur – eine Mischung aus spanischer Tapas-Bar und britischem Pub.
  • Es gibt feste Rituale: Vom "Oshibori" (Tuch) bis zur "Zwangsvorspeise" (Otoshi).
  • Das Wichtigste: "Sharing is Caring". Man bestellt für den Tisch, nicht für sich selbst.

Wenn Sie Japan wirklich verstehen wollen, besuchen Sie keinen Tempel. Gehen Sie in eine Izakaya. Das Wort setzt sich zusammen aus i (sitzen) und sakaya (Sake-Laden). Ursprünglich waren es Orte, an denen man Sake kaufte und gleich dort trank. Heute ist die Izakaya das Wohnzimmer der japanischen Gesellschaft.

Doch für westliche Besucher lauern hier viele Fettnäpfchen. Wie bestellt man? Was ist das für eine seltsame Vorspeise, die ich nicht geordert habe? Und wie bezahlt man? Mit diesem ultimativen Guide bewegen Sie sich beim nächsten Japan-Trip (oder im authentischen Restaurant hierzulande) wie ein Profi.

1. Die Ankunft: Oshibori und Otoshi

Sobald Sie sitzen, passieren zwei Dinge, die Anfänger oft verwirren:

Das Oshibori (Das feuchte Tuch)

Der Kellner reicht Ihnen ein gerolltes, feuchtes Tuch (im Winter dampfend heiß, im Sommer eiskalt).
Do: Reinigen Sie damit Ihre Hände. Falten Sie es danach ordentlich zusammen und legen Sie es auf den Tisch.
Don't: Wischen Sie sich damit nicht das Gesicht oder den Nacken ab (auch wenn Sie sehen, dass ältere japanische "Salarymen" das tun – es gilt als unfein).

Das Otoshi (Die Zwangsvorspeise)

Der Kellner stellt eine kleine Schale hin. Ein Kartoffelsalat? Ein Stück geschmorter Fisch? Eingelegtes Gemüse? Sie haben das nicht bestellt? Richtig.
Das ist das Otoshi (in Osaka auch Tsukidashi genannt). Es ist Japans elegante Version der "Tischgebühr" (Cover Charge). Es kostet meist zwischen 300 und 500 Yen (ca. 2-4 Euro).
Der Sinn: In Japan ist es undenkbar, dass ein Gast vor einem leeren Tisch sitzt und warten muss. Das Otoshi überbrückt die Zeit bis zum ersten Drink. Akzeptieren Sie es dankbar – oft sind es kleine kulinarische Highlights der Küche.

2. Das erste Getränk: "Toriaezu Nama!"

Obwohl Sie in einem Sake-Paradies sind: Traditionell beginnt ein Izakaya-Abend fast immer mit einem Bier. Der Spruch "Toriaezu Nama" ("Fürs Erste ein Bier vom Fass") ist so fest verankert wie das Amen in der Kirche.

Warum? Weil alle gleichzeitig anstoßen wollen ("Kanpai!"). Bier ist schneller gezapft als ein komplexer Cocktail gemixt. Nachdem der erste Durst gelöscht ist, wechselt man zum Sake.

3. Die Essens-Strategie: Das "Shared Dining" Prinzip

Der größte Fehler von Touristen: "Ich nehme das Schnitzel mit Pommes". In einer Izakaya gibt es keine "Hauptgerichte" für eine Person. Alle Gerichte kommen in die Mitte und werden geteilt.

Die ideale Dramaturgie eines Abends:

  1. Speed Menu: Bestellen Sie Dinge, die sofort kommen. Edamame (Sojabohnen), Hiyayakko (kalter Tofu) oder Morokyu (Gurke mit Miso).
  2. Sashimi & Rohkost: Solange der Gaumen noch frisch ist, essen Sie rohen Fisch. Hier ist der perfekte Moment, um auf Sake umzusteigen. Ein trockener Honjozo oder ein feiner Ginjo passen perfekt.
  3. Agemono & Yakimono (Frittiertes & Gegrilltes): Jetzt wird es deftig. Karaage (frittiertes Huhn), Yakitori (Hühnerspieße) oder Gyoza. Dazu passt ein kräftiger Junmai oder ein "Highball" (Whisky/Shochu mit Soda).
  4. Shime (Der Abschluss): Japaner beenden den Abend mit Kohlenhydraten ("Shime"), um den Magen zu beruhigen. Das kann ein gegrilltes Reisbällchen (Yaki-Onigiri) sein oder eine Schale Ramen-Suppe.

4. Die Sake-Etikette am Tisch

Wenn Sie Sake bestellen, kommt er oft in einer Karaffe (Tokkuri). Hier gilt die goldene Regel: Niemals selbst einschenken (Tejaku).

In Japan ist das Einschenken ein Akt der Fürsorge. Beobachten Sie die Gläser Ihrer Nachbarn. Ist eines leer, greifen Sie zur Flasche und schenken Sie nach. Halten Sie die Flasche dabei mit beiden Händen (Zeichen des Respekts). Ihr Nachbar wird dann – fast reflexartig – Ihr Glas füllen. Heben Sie Ihr Glas (Ochoko) dabei leicht an, um den Sake zu "empfangen". Dieses gegenseitige Umsorgen nennt man Oshaku. Es stärkt die Bindung und sorgt dafür, dass niemand zu schnell betrunken wird (oder alle gleichzeitig).

5. Die Rechnung: Kein Trinkgeld!

Am Ende gehen Sie zur Kasse am Ausgang (selten wird am Tisch kassiert). Die wichtigste Regel für westliche Gäste: Geben Sie kein Trinkgeld.

In Japan gilt exzellenter Service als Selbstverständlichkeit, für die man stolz bezahlt wird. Trinkgeld (Tip) kann sogar als Beleidigung aufgefasst werden ("Glauben Sie, mein Chef bezahlt mich nicht gut genug?"). Ein einfaches "Gochisosama deshita" (Danke für das reichhaltige Mahl) beim Hinausgehen ist der beste Dank, den Sie geben können.

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