Die Welt des Sake: Geschichte, Bedeutung & Etymologie
Es ist eine spannende Zeit für Sake-Liebhaber. Während die reine Anzahl der Brauereien in Japan seit Jahrzehnten zurückgeht, erlebt Premium-Sake (Tokutei Meishoshu) weltweit eine Renaissance. Die verbliebenen Brauereien setzen radikal auf Qualität statt Quantität – weg vom billigen Massenprodukt, hin zum handwerklichen Meisterwerk.
Doch bevor wir uns dem Genuss widmen, lohnt ein Blick zurück. Woher stammt der Begriff "Sake" eigentlich? Und warum bestellen Sie in Japan besser "Nihonshu"?
Die Wurzeln: Ein Wort aus dem 8. Jahrhundert
Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Herstellung eines alkoholischen Getränks aus Reis in Japan finden sich bereits im 8. Jahrhundert. Das verwendete Schriftzeichen (Kanji) war damals wie heute: 酒.
Die Lesart dieses Zeichens ist kontextabhängig:
- Steht es allein, liest man es "Sake".
- Steht es am Ende eines zusammengesetzten Wortes, wird es oft zu "-zake" (z.B. Amazake - süßer Sake) oder "-shu" (z.B. Seishu - klarer Sake).
Drei Theorien zur Herkunft des Wortes
Sprachforscher und Historiker streiten bis heute, woher das gesprochene Wort "Sake" etymologisch stammt. Es gibt drei faszinierende Theorien, die alle die hohe Wertschätzung für das Getränk zeigen:
- Das Gedeihen (Sakaeru): Viele glauben, es leitet sich vom Verb "sakaeru" ab, was so viel bedeutet wie "aufblühen, wachsen oder gedeihen". Sake als Mittel, um Wohlstand und Glück zu bringen.
- Das prächtige Wasser (Sakae Mizu): Eine sehr poetische Theorie besagt, dass Sake ursprünglich "Sakae Mizu" genannt wurde – "glorreiches" oder "prächtiges Wasser". Im Laufe der Jahrhunderte wurde dies zu "Sake" verkürzt.
- Die Speise der Götter: Eine dritte Theorie bezieht sich auf die Religion. "Sa" könnte für die Reisgöttin Sanaburi stehen, und "Ke" ist ein altertümlicher Begriff für Essen. Sake wäre demnach die "Speise der Reisgöttin" – ein Hinweis auf die spirituellen Wurzeln im Shintoismus.
Der Blick von Außen: "Saqe"
Der Westen kam erst spät mit dem japanischen Nationalgetränk in Berührung. Die erste dokumentierte Erwähnung in einer europäischen Sprache stammt vom Ende des 16. Jahrhunderts durch portugiesische Missionare und Händler. Im berühmten japanisch-portugiesischen Wörterbuch von 1603 (Nippo Jisho) taucht der Begriff "Saqe" auf.
Später nannten es die Niederländer "Sacki", bevor sich die englische Schreibweise "Sake" (oder "Saké" zur Betonung) durchsetzte.
Sake, Nihonshu oder Seishu? Ein kleiner Sprachführer
Wenn Sie in einer japanischen Bar einfach "Sake" bestellen, könnte der Kellner fragen: "Welchen?" Denn im Japanischen steht das Wort Sake oft einfach für "Alkohol" im Allgemeinen – das kann auch Bier, Whisky oder Wein sein.
- Nihonshu (日本酒): Das ist der präzise Begriff für das, was wir meinen. Er setzt sich zusammen aus Nihon (Japan) und shu (Alkohol). Er bezeichnet den traditionellen Reiswein und grenzt ihn von Yoshu (westlichem Alkohol) ab.
- Seishu (清酒): Diesen Begriff finden Sie oft auf den Etiketten. Er ist der offizielle, rechtliche Begriff und bedeutet wörtlich "klarer/gefilterter Alkohol". Er garantiert, dass die festen Reisbestandteile nach der Gärung herausgefiltert wurden.
Sake ist also nicht gleich Sake. Hinter diesem kurzen Wort verbirgt sich eine tausendjährige Geschichte, die von Göttern, Reisbauern und Handwerkern erzählt. Wenn Sie das nächste Mal anstoßen, trinken Sie ein Stück dieser Geschichte mit.